Lange Zeit ging man davon aus, dass ADHS hauptsächlich angeboren ist. Vererbung spielt zwar eine wichtige Rolle, doch die Zusammenhänge sind komplexer. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen könnten. Man denke nur an die Gehirnentwicklung und die Lebensumstände in der frühen Kindheit.
Schlafendes Baby auf weißem Stoff
Eine neue Studie untersucht in diesem Zusammenhang das Stillen. Laut den Forschern könnte längeres Stillen mit weniger ADHS-Symptomen im späteren Leben einhergehen. Die ersten sechs Monate scheinen dabei besonders wichtig zu sein. Dies deckt sich mit der bekannten Empfehlung, Babys in diesem Zeitraum möglichst ausschließlich zu stillen.
Die Studie behauptet nicht, dass Stillen ADHS verhindert. So einfach ist es nicht. ADHS entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Gene, Gehirnentwicklung und Umwelt können alle Einfluss haben. Dennoch fanden die Forscher einen auffälligen Zusammenhang, der weitere Untersuchungen rechtfertigt.
Laut der Psychiaterin und Forscherin Berit Skretting Solberg ist Vererbung wahrscheinlich weiterhin der größte Risikofaktor. Sie arbeitet an der Universität Bergen in Norwegen. Sie weist jedoch darauf hin, dass ADHS, wie andere Entwicklungsstörungen auch, nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen ist. Daher ist es interessant, frühe Faktoren wie die Ernährung im Säuglingsalter zu untersuchen.
Weniger ADHS-Symptome
Die Studie legt nahe, dass Stillen eine schützende Wirkung haben könnte. Kinder, die länger ausschließlich gestillt wurden, zeigten im Durchschnitt später weniger ADHS-Symptome. Dies galt insbesondere für Kinder, die bis zum sechsten Lebensmonat ausschließlich gestillt wurden. Die Unterschiede waren bereits in jungen Jahren sichtbar.